BGZ missachtet die Warnungen des eigenen Gutachters und ignoriert Hochwasserrisiken


Unbeirrt führt die BGZ die Planungen bezüglich des ZBL Würgassen fort. Dabei werden neben dem ablehnenden Entscheid der Bezirksregierung aus Detmold auch die Sicherheitsempfehlungen der Entsorgungskommission des Bundes (ESK), die Gefahren von Bergsenkungen und nun auch Hochwasserrisiken ignoriert.

— Ergebnis zurückgehalten? —

Warum die BGZ das Hochwassergutachten erst einen Monat nach den verheerenden Überschwemmungen in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz veröffentlicht und nicht zeitnah, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Die Studie datiert den 12.7.21 und sollte der Bundesbehörde längst vorgelegen haben.

Wichtig festzuhalten ist jedoch, dass die Erstellung des Gutachtens laut Datum vor dem Hochwasser erfolgte, und nicht danach. Denn seitdem dürfte für derartige Bewertungen eine neue Sichtweise der Dinge unausweichlich sein.

— Experte äußert schwere Bedenken —

Dies spiegelt sich auch in einem vom Deutschlandfunk am 15.7.21 geführten Interview mit dem von der BGZ beauftragten Hochwassergutachter Prof. Dr. Ing. Jürgen Jensen(1) deutlich wider. Nur drei Tage nach Fertigstellung des Gutachtens im Auftrag der BGZ, und unmittelbar nach der Flutkatastrophe, äußert sich der renommierte Fachexperte merklich warnend. Der Umfang der Zerstörung übertraf schließlich alle bisherigen Gefahrenannahmen(2).

Auf die Frage wie man dass denn hätte verhindern können erwiderte Herr Jensen: „Ich fürchte man kann sich nicht ausreichend darauf vorbereiten (…). Möglichkeiten der Vorsorge sind bescheiden. (…) Es gibt eine Summe von Maßnahmen, die aber vermutlich alle nicht gut genug sind um so etwas gänzlich zu vermeiden. Man muss einfach (...) festhalten, dass das Risiko für solche Ereignisse eigentlich für jeden Standort in Deutschland gilt.“

Darauf angesprochen, ob solche Ereignisse zukünftig häufiger Auftreten werden, antwortete der Experte: „Das Risiko für solche Ereignisse wird im Zuge des Klimawandels zunehmen. (…) Es ist schwierig sich auf solche Extremereignisse einzustellen, (…) man kann Risiken reduzieren (…) aber in der Summe werden wir mit solchen Ereignissen leben müssen“.

Dem entgegnete der Moderator, dass gleichzeitig immer mehr Flächen zugebaut werden. Auf die Frage ob wir zukünftig verstärkt darauf achten müssen wo wir bauen, antwortete Herr Jensen: „Das ist (…) eine der wesentlichen Aufgaben – eigentlich schon für die Vergangenheit gewesen – leider nicht so umgesetzt wie wir uns das als Wasserwirtschaftler gewünscht hätten, natürlich sollte man (…) gefährdete Bereiche eben nicht so intensiv bebauen. Je mehr Werte wir in gefährdete Bereiche bauen, desto Größer das Risiko, desto größer der Schaden. Eine bauliche Anpassung wäre wirklich angeraten, (…) auch mal auf einzelne Objekte verzichten, dem Gewässer mehr Raum geben. Man kann sehr wohl einiges für die Zukunft tun. (…) Möglichkeiten haben wir schon, hier ist es höchste Zeit, dass wir unsere Planungen verändern.“

 

— Studie unzureichend ? —

Die Ergebnisse der Hochwasserstudie für den Standort Würgassen mögen nach Ansicht der BGZ eine vermeintliche Sicherheit suggerieren. Die Aussagen des Gutachters im Interview und die zugrundeliegenden Fakten sprechen jedoch für sich. Tatsache ist: Die Situation in Würgassen wird durch die geplante flussnahe Bebauung, einhergehend mit Aufschüttung und Flächenversiegelung, nicht verbessert. Also: Augen zu und durch beim Thema Atommüll, frei dem Motto „es ist noch immer gut gegangen“, oder doch lieber bestmöglich, sicher, möglichst umweltverträglich und kosteneffizient, wie es die BI fordert?!?

— Welches Gewicht hat das Thema Sicherheit ? —

An dieser Stelle meine Erinnerung an die Aussage von Herrn Dr. Seeba: „Für die BGZ hat die Sicherheit oberste Priorität“ - wirklich, Herr Dr. Seeba?!?

Seit dem 14.7.21 ist bei der Hochwasserbeurteilung eine neue Einschätzung der Risiken geboten und die BGZ täte gut daran die jüngsten Aussagen von Prof. Dr. Ing. Jürgen Jensen zu beherzigen.

Darüber hinaus gilt: Beim Thema Atommüll sollten in Anbetracht der immensen Folgerisiken keine Experimente gemacht werden, nicht nur in Bezug auf Hochwassergefahren. Die Gefahr von Bergsenkungen, die nahe Wohnbebauung und die schlechte Verkehrsanbindung sind weitere Kriterien welche Würgassen für das Vorhaben disqualifizieren, zugleich stehen besser geeignete Alternativen zur Verfügung.

— Gleichgültigkeit bei den Verantwortlichen ? —

Dass sich vor diesem Hintergrund weder der Ministerpräsident, noch die Umweltministerin von NRW zum Vorhaben ZBL äußern, sich die Bundesregierung zudem in den Antworten der gestellten Anfragen lediglich in Ausführungen der Bundesgesellschaft hüllt, anstatt sich dem Prozess der Atommüll-Entsorgung verpflichtet zu fühlen, mutet alles andere als zufriedenstellend an. Denn - Zitat der BGZ - „es geht um eine Aufgabe von nationaler Bedeutung“. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen dem damit einhergehenden Anspruch endlich gerecht werden.

Quellen:

(1) https://www.deutschlandfunk.de/forscher-zu-unwetter-katastrophe-risiko-fuer-solche.676.de.html?dram:article_id=500356

(2) https://www.uni-potsdam.de/.../Flut2021... (Seite 4)