Pressemitteilung vom 14.01.2022

Logistikgutachten: Mangelndes Vertrauen in den Bund


Die Diskussionen um die Errichtung eines zentralen atomaren Bereitstellungslagers in Würgassen für das Endlager Konrad in Salzgitter gehen weiter.

 

Hierzu fand am 13.01.22 eine Videokonferenz auf Einladung der Landesregierungen Niedersachsen und NRW statt. Erfreulich ist, dass neben den Ministern Olaf Lies und Karl-Josef Laumann, den Vertretern des Landtages, den regionalen Politikern und kommunalen Vertretern auch die Bürgerinitiativen teilnehmen konnten. Zum Inhalt


Pressemitteilung vom 13.01.2022

BGZ stapelt bei Hochwassergefahren bewusst tief - wenig transparente Information der Öffentlichkeit durch die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung

 

Aktuell spricht die BGZ in Bezug auf die Publikation der Hochwassergefahren am Standort Würgassen von „billigen Aktionismus“. Damit begeht die in Essen angesiedelte GmbH im Eigentum des Bundes erneut den Fehler, die Öffentlichkeit beim Thema wenig verantwortungsvoll zu informieren. Für uns Anlass genug, für eine wissenschaftliche Darlegung von Fakten zu sorgen.

 

Laut Auskunft der Bezirksregierung Detmold auf Anfrage von Atomfreies 3-Ländereck e.V. basiert die unten abgebildete Hochwasserkarte „HQextrem“ auf einer angenommenen Ablaufwassermenge von 2332 Kubikmeter pro Sekunde, was dem Pegel eines 1.000jährigen Hochwassers entspricht. Das von Prof. Dr. Jürgen Jensen erstellte Hochwassergutachten im Auftrag der BGZ fußt derweil auf einer angenommenen Ablaufwassermenge von 2880 m3/s, was dem Pegel eines 10.000jährigen Hochwasserereignisses entspricht. Das Gutachten der BGZ benennt dabei eine Überflutung von lediglich 15cm auf dem Gelände des ehemaligen AKW Würgassen und die BGZ beteuert, dass für dieses Szenario die Standortsicherheit hergestellt werden wird. Zuletzt äußerte der Bereichsleiter der BGZ, Herr Dr. Drotleff, in der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hofgeismar am 25.10.21, dass allein durch gießen der Bodenplatte für das ZBL/LoK die Hochwassersicherheit hergestellt sei.

 

Dabei ist diese Aussage ein erneutes Beispiel dafür, wie wenig transparent die Informationspolitik der Bundesgesellschaft ist. Gilt diese Aussage doch nur für das Areal des ehemaligen Kernkraftwerks, welches bereits in den sechziger Jahren aufgeschüttet wurde und lediglich einen kleinen Teil des geplanten Baugeländes umfasst.

 

Was die BGZ weder im Gutachten, noch in den zugehörigen Pressemitteilungen benennt, zeigt die Fotomontage der BI Atomfreies 3-Ländereck e.V.. Bereits bei der günstigeren Annahme eines 1000jährigen Hochwassers zeigt sich, dass nahezu die Hälfte des geplanten Atomlagers eine Überflutung bis zu 50cm und weitere Nebeneinrichtungen wie Gleisanlagen, die Hauptpforte, der Lokschuppen und ein Werkstattgebäude bis zu einem Meter überflutet würden. Dabei ist der berücksichtigte Ablaufwert ein Beleg dafür, dass die in der von der BI verwendeten Karte aufgezeigten Überflutungen bei der BGZ-Annahme sogar noch übertroffen würden.

 

Eine um 1,25m erhöht errichtete Schaltanlage für das in Würgassen bereits vorhandene Zwischenlager, unmittelbar am geplanten Baugelände deutet es an: Die Hochwassersicherheit auf dem Gelände nord-östlich des ehemaligen AKW Würgassen wird es nicht so einfach geben. Dieses vor ca. 8 Jahren errichtete Bauwerk wurde auf einem um 1,25m erhöhtem Podest errichtet.

 

Dabei ist die nachgewiesene Hochwassergefahr am Standort ein Ausschlusskriterium beim Standortauswahlverfahren und nur ein Teil der Mängel am Vorhaben "ZBL/LoK Würgassen".

 

Wäre man den vorgegebenen Sicherheitskriterien der ESK gefolgt, hätte der Standort Würgassen für das ZBL/LoK zu keinem Zeitpunkt berücksichtigt werden dürfen.



In der Nacht vom 31.12.21 auf den 01.01.22 wurde das AKW Grohnde für immer vom Netz genommen. Während seiner 36 Jahre dauernden Betriebszeit produzierte der Reaktor radioaktive Abfälle, für deren Entsorgung kein Land der Welt in den vergangenen 60 Jahren Nutzung der Kernenergie ein nutzbares Entsorgungskonzept geschaffen hat. Während der Wasserdampf aus den Kühltürmen in der Silvesternacht versiegte, werden die Abfälle dieses Reaktors hunderttausende von Jahren strahlen

Damit ist die Abschaltung der letzten Reaktoren in Deutschland in diesem Jahr erst der Beginn eines langen Prozesses der sicheren und möglichst umweltverträglichen Entsorgung der radioaktiven Hinterlassenschaften. Dirk Wilhelm, Vorsitzender von Atomfreies 3-Ländereck e.V., nutzte die Gelegenheit um vor Ort auf den drohenden Fehlstart des Entsorgungsprozesses hinzuweisen. Zentrallager entgegen Sachargumente, Politik im Hinterzimmer und Vernachlässigung von Aspekten der Sicherheit prägen das Vorhaben in Würgassen, die versprochene „grüne Wiese“ ist auch sieben Jahre nach den für beendet erklärten Rückbau des 1996 stillgelegten AKW Würgassen weit entfernt

Ein GASTKOMMENTAR von Arno Schelle, Fredelsloh: Atommüll aus Grohnde: "Kein Ende in Sicht"

Silvester machte ich mich auf den Weg nach Grohnde an der Weser, wo das Atomkraftwerk zum Jahreswechsel abgeschaltet wurde. Gemeinsam mit etwa 120 anderen feierten wir friedlich diesen Etappensieg beim lange erkämpften Atomausstieg. Ein Triumphgefühl äußerte niemand und es wäre auch nicht angemessen, dafür bleiben zu viele Atomprobleme auf Millionen (!) Jahre ungelöst. 

 

Ein älterer Teilnehmer erzählte von der Großdemo vom März 1977, die als "Schlacht von Grohnde" in die Geschichtsbücher einging. Ein örtlicher Biobauer stellte seinen Trecker mit Anhänger als Rednertribüne zur Verfügung. Die grünen Politiker Christian Meyer, Miriam Staudte und Helge Limburg erinnerten an die ungelöste Endlagerung, an die Störfälle, die frappierende Kinderkrebsstudie und dankten allen aktiven Menschen verschiedener Berufe, die sich über die vielen Jahre gegen die Atomenergie engagiert haben. Später gab es sogar eine Gedenkminute für bereits in vier Jahrzehnten verstorbene Mitstreiter(innen). Die Schacht-Konrad-Aktiven aus Salzgitter nahmen teil, der Vorsitzender der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck, Dirk Wilhelm, warnte vor einem atomaren Dauer-Zwischenlager im nahen Würgassen. 

Kurz vor Mitternacht stimmte man ein "Bye, bye- Atomkraft"-Lied an. Ein symbolischer Abschalthebel wurde auf off bewegt. "Grohnde ist aus!" sangen Menschen verbunden mit guten Neujahrswünschen. Aus einem mitgebrachten Musikgerät schallte das Lied "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen, das mich vor der Kulisse der zwei nun abkühlenden Kühltürme wirklich bewegte. Und als die letzte Strophe "Kein Ende in Sicht" dieser Hymne ertönte, wurde mir die Anmaßung, die Hybris des Menschen angesichts millionenjahrer Strahlenlast für unsere Kindeskinderkinder deutlich. Kein Ende in Sicht, trotz Abschaltung. Enkeltauglich ist Atomkraft nie gewesen, dafür leider ekeltauglich.


 

Ein aktives Jahr des Widerstands neigt sich dem Ende und das Weihnachtsfest, sowie der Jahreswechsel stehen vor der Tür. Höchste Zeit allen Unterstützer*innen vom Atomfreies 3-Ländereck e.V. DANKE zu sagen. 

 

Auch 2021 zeichneten wir uns alle gemeinsam durch eine gute Sacharbeit, friedliche Proteste und vielerlei erfolgreiche Aktionen aus. Bei unseren Veranstaltungen in geradezu familiärer Atmosphäre haben alle Teilnehmer*innen mit vielen kreativen Schildern, Bannern und Verkleidungen ein deutliches Statement gegen das Vorhaben der BGZ gesetzt. Dabei sind wir immer wieder von der Entschlossenheit, dem Willen und der Zuversicht jedes Einzelnen, sich für eine möglichst sichere und umweltverträgliche Entsorgung von 90% der radioaktiven Abfälle Deutschlands einzusetzen, begeistert. 

 

In 2021 konnten wir mit unseren öffentlichen Aktionen und der nach außen weniger präsenten, jedoch nicht minder umfangreichen politischen Arbeit einiges erreichen. Heute schauen wir zuversichtlich auf das kommende Jahr 2022 und freuen uns Euch alle schon bald wieder an unserer Seite zu wissen: auf Demonstrationen, Informationsveranstaltungen und auch online in Videokonferenzen. Bis dahin wünschen wir Euch ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

 

Der Vorstand

Atomfreies 3-Ländereck e.V.


 

Zeichen des [W]iderstands gegen das ZBL/LoK strahlt vom Hugenottenturm in Bad Karlshafen

 

Vertreter aus Politik, Kirche, Gesundheit, Gewerbe und Tourismus setzen in Bad Karlshafen mit einer gemeinsamen Aktion ein klares Statement gegen das in Würgassen geplante Atommüll-Lager.

Seit Freitag, den 03.12.21 strahlt ein großes gelbes „W“ am Hugenottenturm in Bad Karlshafen. Unmittelbar nach der Errichtung des gut sichtbaren Mahnmals trafen sich einige Unterstützer des Widerstands um sich vor Ort ein Bild von der Installation zu machen. Dabei fanden sie deutliche Worte der Kritik am Vorhaben Würgassen zum zentralen Umschlagplatz für 90% der radioaktiven Abfälle aus ganz Deutschland zu machen.

Martin Hoppe, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative mahnt die nach wie vor mangelhafte Bürgerbeteiligung und fehlende Transparenz an.

 

Pfarrer Daniel Fricke aus Bad Karlshafen zeigt sich ebenfalls kritisch: „Man hat als Bürger nach wie vor den Eindruck, dass man nicht ernst genommen wird.“

Dr. med. Th. Fußgänger-May bemängelt fehlende Informationen zur Strahlenbelastung und mögliche Unfallgefahren, sowie den sich daraus ergebenen Konsequenzen für die Anwohner entlang der Transportstecken.

 

Der ehemalige Direktor der Gesamtschule Bad Karlshafen, Karl-Erwin Franz sorgt sich um die ca. 600 Schüler aus der Region, deren tägliche Schulwege die Transportstecken kreuzen.

Olaf Brückner, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Bad Karlshafen befürchtet neben einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung auch negative Auswirkungen auf den Handel und Tourismus.

 

Frank Schmidt, Leiter der Klinik Carolinum und damit einer der größten Arbeitgeber der Stadt Bad Karlshafen, befürchtet erhebliche Verkehrs- und Lärmbelästigungen für über 200 Reha-Patienten der Klinik und für 95 Bewohner des angeschlossenen Seniorenwohnsitzes.

Dipl. Kaufmann Paul Weskamp, Bankkaufmann (Ottbergen, NRW) und Vorstandsmitglied des Vereins Atomfreies Dreiländereck e.V. gibt unter den bekannten Rahmenbedingungen zu bedenken, dass sich das geplante atomare Logistikzentrum nicht positiv auf die geschaffenen Sachwerte der Anwohner auswirkt.

 

Diverse Unternehmen befürchten, dass die ländliche, strukturschwache Region durch den Atommüll zusätzlich an Attraktivität verlieren und der Bestand an verfügbaren Fachkräften gemindert wird.

Der Geologe Dr. Claus Schubert aus Trendelburg bemängelte bereits im November bei einem Vortrag in der Stadthalle Hofgeismar das bislang vorgelegte Bodengutachten der BGZ als unzureichend und stuft das Terrain als geologisch unsicher ein.

 

Nahezu alle genannten Personen haben sich am neu aufgestellten W auf der Aussichtsplattform des Hugenottenturms versammelt, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen und hoffen auf ein Einlenken der VerantwortlichenZur kompletten Pressemitteilung

Im Bild von links nach rechts:

Dirk Wilhelm

Vorsitz. Atomfreies 3-Ländereck e.V.

Dr. med. Thomas Fußgänger-May

Rainer Lenzing

Vorstand Atomfreies 3-Ländereck e.V.

Martin Hoppe

Vorstand Atomfreies 3-Ländereck e.V.

Frank Schmidt

Leiter Klinik Carolinum

Karl-Erwin Franz

Direktor a.D. Marie-Durand-Schule

 

Thorsten Schäfer

Vorstand Atomfreies 3-Ländereck e.V.

Marcus Dittrich

Bürgermeister Stadt Bad Karlshafen

Olaf Brückner

Vorsitzender Werbegemeinschaft

Daniel Fricke

Pfarrer ev. Kirche Bad Karlshafen

Hans-Jörg Kleinschmidt

Kleinschmidt Metallbau



Montage des [W]iderstand-Symboles am 03.12.2021

Die Mitarbeiter der Firma Metallbau Kleinschmidt und dem SolarTeam-3-Ländereck aus Lauenförde waren zur Abwechslung in Hessen aktiv. Gemeinsam mit dem Vorstand vom Atomfreies 3-Ländereck e.V. montierten sie ein riesiges W als Zeichen des Widerstands gegen das in Würgassen geplante gigantische Atommüll-Lager. Während die Idee und Initiative vom Atomfreies 3-Ländereck e.V. ausging, stifteten die beiden Firmen das notwendige Material und fertigten die Skulptur nebst Ständerwerk und Beleuchtungstechnik.

Käme das ZBL/LoK, wäre Bad Karlshafen als Kurort sowohl durch tägliche Atommüll-Transporte per LKW auf der B80, sowie durch Güterzüge auf den an der Ortschaft verlaufenden Bahngleisen betroffen. Dies sind nur zwei Gründe um sich dem Vorhaben der BGZ zu [W]idersetzen!

An dieser Stelle vielen herzlichen Dank an Dennis Dittmer und Lars Illner vom SolarTeam sowie Felix Dan, Louis Schenk und Stanislav Brinster von Metallbau Kleinschmidt für die Unterstützung!

 

 

im Bild: Felix Dan, Louis Schenk, Stanislav Brinster
im Bild: Felix Dan, Louis Schenk, Stanislav Brinster
im Bild: Dennis Dittmer, Lars Illner
im Bild: Dennis Dittmer, Lars Illner